KALYANA MITTA

DIE PRAXIS VON WEISHEIT UND MITGEFÜHL

Als der Buddha gebeten wurde, seine Lehre möglichst kurz zusammenzufassen, sagte er: «Früher wie heute lehre ich nur dieses eine: Leiden, und das Ende des Leidens – die wahre Befreiung des Herzens.»

So einleuchtend und einfach diese Aussage auch klingen mag, so vielschichtig und komplex gestaltet sich deren Umsetzung für unser Leben.

Unsere geistigen Gewohnheiten

Geistige Prägungen und Gewohnheiten, welche uns immer wieder quälende Emotionen und schwierige Gefühle in allen Facetten erfahren lassen, sind tief in den Stoff unseres Lebens eingewoben.

Wir kennen sie alle als Angst, Besorgtheit oder Unzufriedenheit, als Ablehnung oder Hass, als Verlangen oder als Unersättlichkeit, oder einfach als dumpfes Gefühl, «im falschen Film» zu sein.

Die wahre Befreiung von Herz und Geist

Das tatsächliche Beenden aller schmerzhaften Gefühle lässt sich weder durch blosses Wunschdenken noch durch ein theoretisches Verstehen erreichen. Es ist erforderlich, dass wir auch unsere tieferen Schichten, unser Herz und unseren Geist, durch eine Übungspraxis verändern.

Methoden der Praxistradition im Vipassana
Durch die einfachen Methoden der buddhistischen Vipassana-Tradition können wir lernen, Herz und Geist direkt zu erforschen und unsere Erfahrung klarer zu sehen:

  1. Achtsamkeits- und Einsichtsübungen mit Hilfe von Körper, Atem, Sinnen, Gefühlen und Emotionen, Gedanken;

  2. Trainieren von offenen Geisteszuständen wie liebevoller Güte, Mitgefühl, Mitfreude und Gelassenheit;

  3. Anwendung in formaler Sitz- und Gehmeditation und bei allen Handlungen im täglichen Leben.


Durch das regelmässige Üben erkennen wir nach und nach, dass unsere Sicht der Wirklichkeit von Täuschungen geprägt ist, und dass es diese getäuschte Wahrnehmung ist, die all unsere Probleme verursacht.

Zur getäuschten Wahrnehmung gehört beispielsweise, dass wir uns selbst als getrennt von der Welt erfahren. Dass wir die Welt in statische und fixe «Dinge» aufteilen. Und dass wir von den Dingen selber Befriedigung erwarten statt zu sehen, dass Zufriedenheit oder Frustration von unserer Beziehung zu den Dingen abhängt. Wir erfahren innere Befreiung in dem Masse, in dem wir lernen, die Wirklichkeit anzunehmen und nicht mehr an unserer getäuschten Wahrnehmung festzuhalten.

Erforschen und Schulung von Herz und Geist

Der Prozess der inneren Befreiung wird ermöglicht, indem wir uns darin üben

  1. von Moment zu Moment möglichst wach und direkt mit unserer Erfahrung präsent zu sein;

  2. sowohl Sammlung und ruhevolles Verweilen, als auch nicht-wertende, stetige Achtsamkeit zu kultivieren.


Sammlung und Achtsamkeit sind wirkungsvolle Instrumente, die uns nach und nach auch tief eingewobene, nicht-hilfreiche geistige Gewohnheiten und Konditionierungen erkennen lassen.

Gleichzeitig werden auch heilsame Herzens- und Geistesqualitäten gefördert. Diese Praxis beinhaltet beispielsweise das bewusste Wahrnehmen und Kultivieren von Wertschätzung und Wohlwollen, Mitgefühl, Mitfreude, liebevoller Gelassenheit, Geduld und Grosszügigkeit.

Die Qualitäten von Weisheit und Mitgefühl

Die in der Meditation geförderten Qualitäten, zusammengefasst als «Weisheit und Mitgefühl», vertiefen unser Vertrauen in die Sichtweise, die durch geistige Auseinandersetzung oder Geistestraining erworben wurde.

Auf diese Weise dienen sie als innere Führung und Kompass durch unseren gelebten Alltag: Ein Leben, genährt von Weisheit und Mitgefühl, zutiefst erfüllend für uns selbst und dem Wohl aller Lebewesen verpflichtet!

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Buddhistische Lehre und Praxis